
Wildpflanzen retten:
Vielfalt erhalten, Klima schützen
Pflanzen bieten vielen Lebewesen Nahrung, Lebensraum und Schutz. Sie beeinflussen klimatische Prozesse, die Bodenbildung und den Wasserhaushalt – kurzum sie bilden eine zentrale Grundlage der stark bedrohten biologischen Vielfalt. Unsere Mission ist es, nicht nur den dramatischen Rückgang unserer Pflanzenvielfalt in Deutschland aufzuhalten, sondern eine Trendwende herbeizuführen und mit einem gezielten botanischen Artenschutz unsere gefährdeten Wildpflanzenarten zu stärken und zu fördern.
Seltene Wildpflanzen sind stille Heldinnen unserer Ökosysteme – unverzichtbar und doch oft übersehen. Sie brauchen starke Stimmen.
Adina Arth, Schirmherrin
Herausforderungen im Naturschutz
Fast die Hälfte aller Wildpflanzenarten ist in Deutschland gefährdet, und die Tendenz ist steigend. Viele von ihnen sind in den letzten Jahren so selten geworden, dass sie aktuell vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben sind. Noch schlechter sieht es für die Lebensräume aus. Hier sind zwei Drittel bereits verloren oder (stark) gefährdet. Der Rückgang der biologischen Vielfalt auf Ebene der Lebensräume, der Arten und der genetischen Vielfalt hat weitreichende Konsequenzen, die wir Menschen kaum absehen können.
Klimaresilienz beschreibt die Fähigkeit von Ökosystemen, die Auswirkungen des Klimawandels wie Hitze, Trockenheit oder Starkregen zu verkraften und sich daran anzupassen. Natürliche Lebensräume mit hoher Artenvielfalt und stabilen ökologischen Prozessen können Störungen bzw. Veränderungen besser ausgleichen und sich schneller regenerieren. Darüber hinaus sind intakte Ökosysteme in der Lage in ihrer Biomasse große Mengen an CO2 zu speichern. So sind zum Beispiel artenreiche Wiesen im Gegensatz zu artenarmen Beständen wirksame CO2-Senken.
Deutschland hat sich international verpflichtet, zum Erhalt der Biodiversität beizutragen und den Artenrückgang zu stoppen (CBD (1992), COP 15 (2022), GSPC (2010), European Green Deal (2019), EU-Gesetz zur Wiederherstellung der Natur (WVO, 2023).
Die WVO (Wiederherstellungsverordnung) zielt darauf ab
- Lebensräume wiederherzustellen,
- ihrem sich verschlechternden Erhaltungszustand entgegenzuwirken und
- schwindende oder sogar aussterbende Populationen bestimmter Arten zu erhalten, zu stützen und wieder zu etablieren.
Bereits in der FFH Richtlinie von 1992 wurden hierfür Lebensraumtypen (LRT) und Arten von gemeinschaftlichem Interesse definiert. Entscheidend für den Zustand eines LRT ist das Inventar an charakteristischen Pflanzenarten. Um Lebensraumtypen wie in der WVO (WVO Art. 4 (1)) vorgegeben wiederherzustellen oder neu zu etablieren (WVO Art. 4 (4)) ist der Aufbau dieses Pflanzenspektrums von essenzieller Bedeutung. Dabei ist die gesamte innerartliche (genetische) Vielfalt der Arten zu berücksichtigen. Eine hohe genetische Vielfalt erhöht die Fähigkeit von Arten sich an ändernde Umweltbedingungen (z.B. Klimawandel) anzupassen. Damit können auch in Zukunft stabile und widerstandsfähige Populationen aufgebaut werden. Sowohl im Aktionsplan der NBS 2030 (Punkt 1.1.6) als auch in der CBD (COP 16, Cali 2024, Target 4) wird der Erhalt der genetischen bzw. innerartlichen Vielfalt betont.
Botanische Gärten sind als international vernetzte Wissenschafts-, Sammlungs- und Bildungseinrichtungen für den Artenschutz von großer Bedeutung. Sie erkennen in zunehmendem Maße ihre Verantwortung für die Erhaltung der Vielfalt der Pflanzenwelt und fühlen sich internationalen und nationalen Abkommen und Strategien verpflichtet (CBD, GSBC, GBF, deutsche Biodiversitätsstrategie). Die konkrete Umsetzung dieser Strategien erfolgt unter anderem durch die Mitarbeit auf vielen Ebenen in internationalen und nationalen Netzwerken (WFO, BGCI, ENSCONET, Verband Botanischer Gärten u.v.m.).
© D. LauterbachPflanzenarten gibt es in Deutschland
der Pflanzenarten in Deutschland gelten noch als ungefährdet
Menschen können zu ihrem Schutz beitragen
Unsere Expertise…
Botanische Gärten engagieren sich schon seit Jahrzehnten erfolgreich im botanischen Artenschutz und leisten hierzu durch ihre Expertise in den Bereichen der gärtnerischen Praxis, Forschung & Lehre, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit einen wichtigen Beitrag. Ihre taxonomische Expertise ist Grundlage für internationale Initiativen wie die World Flora Online (WFO).
Sie sichern die genetische Vielfalt und damit das Evolutionspotential der heimischen Flora in ihren Saatgutbanken, und sie pflegen und vermehren gefährdete Wildpflanzen in Erhaltungskulturen. Die Maßnahmen außerhalb des Naturstandorte (Ex situ) dienen als Ressource, um die natürlichen Wildvorkommen der Arten durch Ansiedlungen am Naturstandort (In situ) unter Berücksichtigung naturschutzgenetischer Kenntnisse zu unterstützen und zu fördern.
… und unser Angebot
Wir sind ein Verbund von bisher fünf botanischen Gärten, die seit über zehn Jahren diese Ex situ- und In situ-Maßnahmen deutschlandweit erprobt haben. Im WiVi-Klima-Projekt bieten wir zuständigen Behörden und anderen Naturschutzakteuren unsere wissenschaftliche Expertise und auch praktische Unterstützung für Artenschutzmaßnahmen an, um seltene und gefährdete Pflanzenarten in Deutschland zu bewahren und zu fördern.
„Die Umweltministerinnen, -minister und -senatorinnen der Länder sehen die Notwendigkeit des Wildpflanzenschutzes in Deutschland auch im Hinblick auf die Bedeutung für die Erfüllung der nationalen und internationalen Biodiversitätsziele sowie der Wiederherstellungsziele (Verordnung (EU) 08.08.25 Seite 2 von 13)…)
Beschluss der 104. Umweltministerkonferenz am 16. Mai 2025 in Orscholz
